QTSV Schriftzug

TSV Quakenbrück

Etappen der Vereinsgeschichte

125 Jahre – eine sehr lange Zeit...

Vor 125 Jahren wurde der QTSV gegründet.

Gibt es Menschen, die sich daran noch zu erinnern vermögen? Zeitzeugen?

Nein! Leider nicht mehr!

Aber es gab zum Glück immer schon Menschen, die sich mit der Geschichte unseres Vereins befassten, Urkunden, Protokollbücher, Pressetexte und Jahresberichte sorgfältig aufbewahrten, ja sogar in Ehren hielten. Mit der Fülle an Material könnte ein dickes Buch gefüllt werden. Einfach ist es dennoch nicht, 125 Jahre Vereinsgeschehen  nachzuzeichnen. Dafür aber sehr spannend, denn ständig stößt man auf Widersprüche in den vorliegenden Chroniken oder entdeckt Neues, was die Verfasser der letzten Festschriften entweder nicht für wichtig erachteten oder einfach überlesen haben. Dieses Material bietet uns die Möglichkeit, aufzuzeigen, welche Höhen und  Tiefen der Verein erlebte, in welcher Weise Frauen und Männer die Geschicke dieses Vereins gelenkt haben. Viele, die sich um den QTSV verdient gemacht haben, werden auf den folgenden Seiten namentlich erwähnt.

Ihre Namen sind festgehalten, sie werden in Erinnerung bleiben. Aber die Geschichte unseres Vereins ist mit den Namen von viel mehr Menschen verbunden, die ihn mit Leben erfüllten, die sicher Freude in ihm fanden, die aber auch Arbeit für ihn leisteten.

Und in 125 Jahren Vereinsgeschichte haben sicher ein paar Hundert Menschen – Frauen und Männer, Jugendliche und sicher auch Kinder – „Vereinsarbeit“ auf sich genommen; sei es im Vorstand oder sei es als Übungsleiter, Trainer, Betreuer und Ähnliches.

Die Mehrzahl dieser Menschen wird sicherlich nicht in unserer Vereinsgeschichte namentlich auftauchen, aber auch sie gehörten und gehören zu denen, die unseren Verein tragen, ihn erst möglich machen und ihm Leben geben und gaben ...

... wie jene 30 Unentwegten, die sich im Juli 1877 zusammensetzten, in einer Zeit des Aufbruches, um etwas Neues, etwas „Bewegendes“ in die Welt zu setzen:

den Turnverein Quakenbrück – vor 125 Jahren.

Jahre der Gründung  (bis 1878)

Doch bevor es soweit war, gingen schon einige Jahrzehnte ins Land, in denen sich Friedrich Ludwig Jahn – richtig, der mit den vier „F“ (frisch, fromm, fröhlich, frei), später „Turnvater“ genannt – in Deutschland und Europa als Begründer der Turnbewegung hervortat. In dieser Zeit des Aufbruchs und der patriotischen Gefühle Anfang des 19. Jahrhunderts glaubte Jahn, dass durch körperliche Ertüchtigung Widerspruchsgeist und nationale Überzeugungen besonders gefördert werden könnten und Leibesübungen notwendige Vorbereitung für den Freiheitskampf gegen die französischen Besatzer seien.

So richtete Jahn 1811 das erste deutsche Turnfest in der Hasenheide bei Berlin aus. Dieses Jahr gilt allgemein als Beginn der deutschen Turnbewegung und 1816 wurde der erste Verein in Hamburg gegründet. Das Turnen wurde jedoch schon bald ein Opfer der Politik. Preußen verhängte 1819/20 die sogenannte „Turnsperre“. Man sah in den Turnern eine Gefahr, aufgrund seiner Neigungen zum Nationalismus waren Jahns Ideen bis Mitte des 19. Jahrhunderts nicht gerne gesehen, nahmen dann aber im veränderten politischen Klima und insbesondere nach der Reichsgründung 1871 ihren eher unpolitischen Lauf. So kam es nach Ende der Turnsperre zu einem neuen Aufschwung der Turnbewegung, die vor allem vom Kleinbürgertum ausging. Auch in Quakenbrück soll um 1850 ein Verein gegründet worden sein, deren Turner auf einem Grundstück des Mühlenbesitzers Flerlage unter der Leitung des Schornsteinfegermeisters Fischer an „sehr einfachen“ Turngeräten geübt haben. Einzig die mündliche Überlieferung ist geblieben. Auch nach dem deutsch-französischen Kriege 1870/71 müssen diese Treffen Bestand gehabt haben, denn es sollen Turnübungen auf dem Grundstück des Herrn W. Harting auf dem St. Antoniort bei der ehemaligen Badeanstalt stattgefunden haben. Dennoch war dieses wohl nur eine lose Vereinigung junger Männer, die in den Sommermonaten auf der Wiese an Reck und Barren turnten und sich in den Wintermonaten allwöchentlich zum gemütlichen Beisammensein trafen. 1876 begannen erste Vorbereitungen zur Gründung eines neuen Vereins unter der Führung von E. R. Strahl, die aber noch nicht zustande kam. Sicherlich führte dann 1877 der Bau einer Turnhalle durch die Stadt dazu, dass der schon lose bestehenden Vereinigung  Turnzeiten gegen Bezahlung zur Verfügung gestellt wurden und dass der Quakenbrücker Turnvereins auch offiziell gegründet wurde.

Der  Vorgang der Entstehung des Quakenbrücker Turnvereins lässt sich sehr schön in allen Einzelheiten nachvollziehen, da aus dieser Zeit  Urkunden, Mitgliedslisten und Zeitungsausschnitte vorhanden sind. So lesen wir im „Allgemeinen Anzeiger“ (Zeitung für den Kreis Bersenbrück) vom 7.Juli 1877 folgende Anzeige:

„Diejenigen, welche sich für die Bildung eines Turnvereins interessieren, werden ersucht, sich am Sonntag, dem 8.Juli, abends 8 Uhr, in der Restauration des Herrn C. Eymann einzufinden.“             

Diese Versammlung stieß wohl auf ein großes Echo, gefolgt von einer weiteren Sitzung und schon wenig später, am  Sonnabend, dem 14. Juli, fand sich folgende Notiz im „Anzeiger“:

„Die am letzten Dienstag in der C. Eymann´schen Restauration stattgehabte Zusammenkunft zum Zwecke der Bildung eines Männer-Turnvereins, war von gutem Erfolge begleitet. Es unterzeichneten sich daselbst nahezu 30 Personen, so daß der Verein nächstens, nachdem das Statut berathen, ins Leben treten wird. Vorab sollen jedoch inzwischen die Uebungen an den Geräthen beginnen, und der Vorstand will sofort zu diesem Zwecke beim Magistrat vorstellig werden, um die städtische Turnhalle einstweilen dazu benutzen zu können...Wir wünschen dem neuen Verein das beste Gedeihen, zugleich auch in der angenehmen Voraussicht, darin in nicht allzuferner Zeit auch eine freiwillige Feuerwehr erstehen zu sehen.“

Eine letzte Gründungsnotiz und gleichzeitig Einladung findet sich im „Allgemeinen Anzeiger“ vom Sonnabend, dem 28. Juli 1877:

„Turnverein Quakenbrück. Sonntag, den 29. d. Abends 8 Uhr, Versammlung bei C. Eymann. Tagesordnung: Genehmigung des Statuts und Verschiedenes.“

Als Zusatz fand sich folgende Bemerkung:             

„Gewünscht wird, dass sich diejenigen, welche dem Turnverein beitreten wollen, in dieser Versammlung einfinden. Der Vorstand“

Der erste Vorstand (auch Turnrat genannt) dessen Namen und Unterschriften in einer Urkunde vorliegen, setzte sich wie folgt zusammen:                               

Vorsitzender und erster Turnwart: 

Lehrer Wilhelm Kayser 

Stellvertretender Vorsitzender: Kaufmann Gottfried Winkelmann
Säckelwart: Kaufmann Enno Rudolf Strahl
Schriftwart: Ad. Beythien
Zeugwart: Gustav Tornow
Beisitzer: H. Schwegmann und H. Dwenger

Weitere Gründungsmitglieder waren: August Kroning, G. Detering, Georg Reichel, Chr. Thiele, D. Lohmann, Hermann Dähnke, Rehling, Frie, August Holle, Rathert, Bosse, Gustav Racer, Hermann Beimesche, Wilhelm Höker, Schmiedeken, Georg Vette, Chr. Eymann, Rudolf Eymann, Chr. Klodt, Schnetter, Imholz, Georg Meyer und Hermann Schreuder.

Jahre des Aufbaus  (1878 – 1902)

Unmittelbar nach der Gründung schloss sich der junge Verein der Deutschen Turnerschaft an. In ihren „Mittheilungen über die Thätigkeit der Gauturnwarte und über den Stand des Vereinsturnens im V. Kreise der Deutschen Turnerschaft“ vom Juni 1878 wird über die Gründung und die Tätigkeiten des Vereins berichtet. Demnach habe sich die Mitgliedszahl von 30 Turnern auf 42 Turner und 18 Turnfreunde erhöht. „Das Turnen leitet Herr Lehrer Kayser...Das Turnen fand zuerst einmal wöchentlich, Montags, später zweimal, auch Donnerstags, statt....und war der durchschnittliche Besuch etwa 2/3 der jeweiligen Mitglieder...Ausser einigen kleinen Ausflügen haben wir größere Feste nicht gehabt...Das Cassenbuch weist...Bestand von etwa 100 M. aus. Die Turner sowohl wie Turnfreunde zahlen monatlich 50 Pf. Beitrag, sowie Turner bei der Aufnahme 1 M. Eintrittsgeld...“

Das Vereinslokal wurde die Restauration Carl Eymann (heute Stadtmuseum). Unter diesen guten Voraussetzungen und unter Leitung dieser zielbewussten Männern musste der Verein wachsen, blühen und gedeihen. So wurde denn nun geturnt.

Und damals wurde die Sache auch ernst genommen: Aufzeichnungen über den Besuch der Turnstunden in den Jahren 1878 bis 1880 zeigen, dass stets durchschnittlich zwischen 57 und 62 Prozent der Mitglieder (!) in der Turnhalle geturnt haben. Diese städtische Turnhalle, die wie erwähnt 1877 erbaut wurde, befand sich im „Hagen“, jetzt Grüne Strasse, neben dem heutigen St.-Sylvester-Stift und ist mit heutigen Sporthallen kaum vergleichbar. Auf einer Turnfläche von 10 mal 15 Metern wurde hauptsächlich an Geräten geturnt. Es ist schon erstaunlich, dass damals zweimal in der Woche abends geturnt wurde und das, obwohl nicht acht, sondern 10 oder 12 Stunden in den Betrieben gearbeitet wurde und man nach Feierabend noch daheim auf dem Lande oder im Garten weiterarbeiten musste. Erwähnt sei, dass diese Halle, die bis 1915 genutzt wurde, pikanterweise später als Leichenhalle des alten evangelischen Krankenhauses diente.

Am 30.Juni 1878 fand die erste Turnfahrt nach Osnabrück statt und am Sedanfest 1878 (2. Sept.: Nationalfeiertag seit der Schacht von Sedan im dt.-franz. Krieg 1870/71, d.R.) zeigten die Turner ihre Gewandtheit am Reck, Barren, Pferd und Sprung. Bis zum ersten größeren Schauturnen musste dann bis zum 29. Juni 1879 gewartet werden. Umso überraschender war der Erfolg über den der „Allgemeine Anzeiger“ wie folgt berichtete:

„Das war ein rechter Festtag für den hiesigen Männer-Turnverein, der 29. Juni. Bescheiden die Einladung und so groß die Überraschung, welche bei der Entwicklung des in Aussicht gestellten Schauturnens sich dem Auge darbot. Stadt im Festgewand!

Die Kramersche Wiese, ganz dazu geschaffen, war sinnig von den Turnmitgliedern herausgeputzt. Eröffnet wurde das Schauturnen durch eine Ansprache des Herrn Präceptor Kayser, der er den Wahlspruch: „Sei fromm, sei frisch, sei fröhlich!“ zu Grunde legte. Es wurde gut geturnt. Beim Kürturnen trat leider etwas Regen ein. Der Verlauf des Schauturnens, das erste des jungen Vereins, was ganz gut zur Geltung gelangte, machte auf alle Anwesenden einen recht guten Eindruck und gestaltete sich das Arrangement mehr nach einem süddeutschen Volksfest.“

Dieser Erfolg kam jedoch nicht von ungefähr, schickte der Verein doch von Anfang an regelmäßig Turner zu den Vorturnerstunden, die Gauturnwart Bartels und Kreisvertreter Schurig in Osnabrück abhielten. Als der erste Turnwart Kayser mit dem Assistenten an der Bahn Janßen einen neuen zweiten Turnwart bekam, ging es weiter aufwärts. Am 1.Juli 1880 berichtete der „Allgemeine Anzeiger“ Erfreuliches:

„ In den drei Jahren seines Bestehens hat sich die Mitgliederzahl von 30 auf 70 vergrößert und ist noch in stetem Wachsen begriffen. Der Verein zählt jetzt 39 aktive Turner, 24 inaktive Turner und 8 Zöglinge. Geturnt wird wöchentlich zweimal in der städtischen Turnhalle, wofür der Verein eine jährliche Miete von 60 Mark zahlt. Die Beteiligung am Turnen beträgt durchschnittlich 50 Prozent der aktiven Turner. Der Beitrag, welcher früher 25 Pfennig betrug, ist auf 40 Pfennig erhöht worden, indem durch Anlegung einer Bibliothek und sonst nötig gewordener Anschaffungen dem Verein bedeutende Ausgaben erwuchsen. Das Eintrittsgeld beträgt nach wie vor 1 Mark. Die Freiwillige Feuerwehr, für deren Gründung der Verein sich interessierte, ist ins Leben getreten (1879) und besteht größtenteils aus Turnern. Turnfahrten, gesellige Abende, Teilnahme an der Nationalfeier am 2. September, Weihnachtsfeier und vor allem das alljährliche Stiftungsfest, das auch in diesem Jahre zur allgemeinen Zufriedenheit ausfiel, dienen dazu, den Verein zu heben, und es ist das Interesse seitens der hiesigen Bürger für unsere gute Sache in dem letzten Jahre bedeutend gewachsen.“

In den folgenden Jahren wuchs der Verein kontinuierlich, mit den Turnvereinen Bramsche und Cloppenburg wurde ein Abkommen über einen jährlicher Wechsel beim Ausrichten des Turnfestes in den drei genannten Städten abgeschlossen. Zur Feier des 5. Stiftungsfestes am 17.Juni 1883 wurde eine von Quakenbrücker Damen gestiftete Vereinsfahne feierlich geweiht (diese Fahne befindet sich noch immer im Besitz des Vereins, d.R.). Die Zahl der aktiven Turner hielt sich konstant zwischen 65 und 75. Das zehnjährige Stiftungsfest am 7.August 1887 wurde verbunden mit dem Gauturnen des Gaues Osnabrück gefeiert.

Irgendwann  musste aber dieser Elan der Gründungsjahre erlöschen und der Besuch der Turnstunden nahm stetig ab. Auf der Generalversammlung am 7.August 1888 hat der langjährige 1. Vorsitzende C. Janßen eben dieses bitter beklagt und es gab zu diesem Anlass auch eine schriftliche Eingabe:

„Laute Anfrage an den Vorstand des Turn-Vereins! Welche Zwecke verfolgt eigentlich der Turn-Verein? Wie können es die meisten Vorstands-Mitglieder mit ihrer Pflicht vereinen, blos zu den Kneipen zu erscheinen und nicht auch zum Turnen in der Turnhalle zu sein???“ Unterschrieben:  „Mehrere sich für den Turn-Verein wirklich interessirende Mitglieder!“

Zudem wurde Janßen aus dienstlichen Gründen von Quakenbrück versetzt, für seine 10jährige Tätigkeit aber zum Ehrenmitglied ernannt. Der Niedergang des Vereins war aber nicht mehr aufzuhalten!

Im Jahre 1890 nahmen lediglich noch 19 Turner am Vereinsleben teil und im Jahr darauf wurde das Turnen für mehrere Monate (Oktober 1890 bis Januar 1891) ganz eingestellt, verbunden mit dem Wegfall der Beiträge. Es musste wieder ganz von vorne begonnen werden. Durch Mitgliederwerbung konnte sich der Verein so eben am Leben erhalten, bis 1894 unter dem 1.Vorsitzenden H. Landwehr der Buchhändler F. Steffen aus Emden, selbst ein großer Turner, glänzender Organisator und Anhänger der Jahnschen Turnbewegung, in den Verein eintrat.

Steffen übernahm mit Tatkraft den Turnbetrieb und zwar als erster Turnwart, wobei ihn Turner Kanemann als zweiter Turnwart hervorragend unterstützte. Diese beiden Männer machten es möglich, dass schon am 11. August des gleichen Jahres der Gauturntag und Tags darauf das Gauturnfest in Quakenbrück stattfinden konnte. Unter großer Beteiligung der Turnerschaft und der ganzen Bevölkerung unserer Stadt und der Umgebung wurde gefeiert. Der Quakenbrücker Turnverein errang dabei durch die Turner Schwarz und Kanemann den 12. und 19. Preis. Vor dem Fest war das Interesse bei der heimischen Bevölkerung an der Turnsache fast völlig erloschen, ganze 25 Mitglieder zählte der Verein. Doch das Fest entfaltete eine gewaltige Werbekraft, die eine reiche Anzahl neuer Beitrittserklärungen mit sich zog. Ende 1894 umfasste der Verein schon wieder 38 Turner, 30 Turnfreunde und 8 Zöglinge.  Auch innerhalb des Vereins gab es gravierende Umstrukturierungen: Der Vorstand traf sich monatlich, ein Jahresbericht wurde schriftlich in einem Buch niedergelegt (was auch heute noch gilt!), die Kassenverhältnisse wurden durch Einführung eines Jahresetats überschaubarer. Um das Interesse der Bürgerschaft zu wecken, wurden gemütliche Abende eingeführt und Steffen wurde sogleich Hauptmann der Turnerfeuerwehr. Sein Wahlspruch: „Alles für das Vaterland“ fand großen Anklang und mahnte auch zum treuen Dienst am Verein.  So war es nicht verwunderlich, dass er im Jahre 1895 auf dem Gauturntage in den Gauturnrat gewählt wurde. Dazukam, dass im Jahr darauf der frühere Vorsitzende R. Bindel zum Ehrenvorsitzenden ernannt wurde und als solcher im Verein mit seinem Stellvertreter im Vorstand seine gewichtige Stimme erheben konnte. So stieg die Zahl der Mitglieder im Jahre 1898 auf 88, wovon 4 Turner und 2 Turnfreunde am 9. Deutschen Turnfest in Hamburg teilnahmen. Im folgenden Jahr stieg die Zahl gar auf 94, und rühmend wird im Jahresbericht erwähnt, dass in diesem Jahre an einem Turnabend gar 46 Turner und 25 Zöglinge, Söhne aus der Bürgerschaft, versammelt gewesen seien. Die zum damaligen Zeitpunkt immer noch bestehende Feuerwehr (Turnerwehr) bestand aus 19 Turnern, die z.B. 1899 dreimal ausrücken konnte und natürlich als Erste am Einsatzort war und somit die Prämien kassieren durfte. Kurz zuvor wurde 1897 als neues Versammlungslokal der Sander´sche Saal (St. Annenstraße, heute Küchenstudio Ortland) ausgewählt, wo der Verein ein eigenes Sitzungszimmer erhielt, das mit der Büste Turnvater Jahns, Bildern von Turnfesten, Rekrutenabschiedsfeiern und Ehrenurkunden von errungenen Preisen ausgestattet wurde.

Der Verein musste im Juli 1900 mit großem Bedauern den Vorsitzenden Steffen aus seinen Diensten scheiden sehen, da er Quakenbrück  verlassen musste, um in Dortmund ein eigenes Geschäft aufmachen zu können. Verdientermaßen wurde er zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Das 25. Stiftungsfest stand an und die inzwischen in die Jahre gekommene Turnhalle erhielt endlich die schon lange vom Verein geforderte Gasbeleuchtung. Am 31. Mai/1. Juni 1902 wurde aus diesem Anlass ein großes Fest veranstaltet, verbunden mit dem 18. Turnertag des Gaues Osnabrück und einem Wettturnen in volkstümlichen Übungen, bei welchem der Turner H. Hilge den 2. Platz belegen konnte. Bei bestem Wetter und großer Anteilnahme der Bevölkerung konnten fast alle Vereine des Gaues begrüßt werden. Sogar zwei Gründungsmitglieder, H. Beimesche und A. Kroning, konnten als Turner der Veranstaltung beiwohnen. Das bedeutungsvolle Jahr 1902 schloss mit einem Bestand von 95 Mitgliedern, davon fast 60 aktive Turner.

Jahre des Aufbruchs  (1902 – 1918)

Das neue Vierteljahrhundert des Vereins beginnt wieder mit einem Vorsitzenden W. Kayser, ebenfalls Lehrer, wie der berühmte Vereinsgründer. Ihm zur Seite standen die Turnwarte G. Nortrup und Henry Wulf I, sowie der nach Quakenbrück versetzte Turnlehrer Beyer, der es mit Begeisterung verstand, mit neuen Übungen das Interesse für das Turnen weiter zu heben. Veranstaltungen im Jahre 1903, wie Winter- und Sommerfeste, Keulen- und Fackelschwingen am Sedanstage, der Kaisersgeburts-tagskommers und der Rekrutenabschied, brachten dem Verein reiche Anerkennung. Auch in turnerischer Beziehung wurde Einiges geleistet. So errangen fünf Turner auf dem Gauturnfest in Osnabrück den schlichten Eichenkranz: in der ersten Stufe Henry Wulf I den 13., G. Schierbaum den 17. und G. Nortrup den 18. Preis, und in der zweiten Stufe Hermann Ortland den 13. und Hermann Schierbaum II den 29. Preis. Alle Sieger wurden mit Musik am Bahnhof empfangen und zum Vereinslokal geleitet, wo im Garten ein fröhlicher Kommers gefeiert wurde.

In diesen Jahren veränderte sich das Gesicht des Vereins. So heißt es in einem Bericht aus dem Jahre 1905, dass man versuchte „die Politik in unserem Verein einzubürgern“, wodurch der Verein kurz vor seiner Auflösung stand. Doch die Zähigkeit der Mehrheit der Mitglieder, die an ihrem alten Wahlspruch: „Frisch, fromm, fröhlich, frei“ festhalten wollten, ließ das Vereinsschiff noch einmal in ruhiges Fahrwasser kommen. Laut Satzung wurde auch jede politische Aktivität oder Richtungsnahme ausgeschlossen.

Dennoch nahm das Turnen einen immer weiteren Aufschwung. Zwei durchgeführte Wetturnen bei Dittmanns und auf dem Schützenhof zeigten, dass auch auf diesem Gebiet Großartiges geleistet wurde.  Leider verstarb in diesem Jahr das Vereinsmitglied Bürgermeister Hahn, der über viele Jahre dem Verein stets wohlgesonnen war und ihm größtes Interesse entgegenbrachte. Eine Abordnung mit der Fahne nahm an den Begräbnisfeierlichkeiten teil.

Endlich konnten die Turner anlässlich des 3o. Bestehens des Vereins 1907 auch mit Siegen aufwarten. So kehrten E. Gerhardt, H. Grandke und Hagelstein vom Turnfest in Hameln und H. Hilge vom Gauturnfest in Dissen jeweils als Erste zurück. Um diese Erfolge weiterhin gewährleisten und ausbauen zu können, benötigte man mehr Platz. Ein „bedeutsamer Fortschritt“ für den Verein war es, dass er im Jahre 1908 auf dem Turnplatz hinter der Turnhalle drei große Gaslampen anbringen ließ, die es ermöglichten, an schönen Sommerabenden in reiner, schöner Luft zu turnen. Auch die Vereinskapelle, ein Trommler- und Pfeiferkorps, erstarkte von neuem. Die Turnerfeuerwehr konnte bei mehreren Bränden erfolgreich eingreifen. Auch die bestehende Vereinssatzung wurde überarbeitet und am 8.März 1908 zur Annahme gebracht. Unter Leitung der Turnwarte turnten jetzt auch auf Anordnung der Regierung mehr als 20 Schüler der Fortbildungsschule, wodurch die Zahl der Mitglieder im Jahre 1909 auf 175 Personen anstieg. Im selben Jahre wurde mit dem Eisenbahnassistenten A. Gramberg ein neuer Vorsitzender gewählt, der eine Vielzahl Neuerungen einführte: So lebte die Altersriege der Turner erneut auf und das Trommlerkorps wurde in neue, schmucke Uniformen gesteckt. Auch Frauen nahmen unter der Führung Grambergs jetzt am Turnen teil und während eines Unterhaltungsabends am 7. März 1910, wo unter anderem der Medizinalrat Dr. Strangmeier einen vielbeachteten Vortrag über das Frauenturnen aus gesundheitlicher Sicht hielt, wurde die Gründung einer Damenabteilung in die Wege geleitet. Schon einige Tage später (11. März) kam es offiziell zur Gründung der heutigen Frauenabteilung, der sogleich 24 Turnerinnen und 6 Turnfreundinnen beitraten. Diese turnten zunächst unter der Leitung der Oberlehrerin Paula Kühner, bis im Jahr 1912 Turnwart W. Grix die Leitung übernahm.

Leider wurde der neue Vorsitzende A. Gramberg, der ein solch reges Leben in den Verein hineinführte, aus dienstlichen Gründen  Anfang 1911 wieder versetzt. Es war ein herber Verlust! Doch stets hat er sich aus der Ferne ein Interesse am Turnverein bewahrt.

Eine neue Aera begann, als im Juni 1911 der Oberlehrer am Realgymnasium in Quakenbrück, Fritz Stromburg, den Verein übernahm und ihn über 17 Jahre lang führen sollte. Schöne Erinnerungen an froh verlebte Stunden ketten aneinander, und so sind die meisten Vorstandsmitglieder im Amt beieinander geblieben, sodass das harmonische Zusammenarbeiten dem Verein sehr zustatten kam. Am Deutschen Turnfest 1913, sowie an der Einweihung des Völkerschlachtdenkmals in Leipzig nahm der Turner Täschner teil, der zugleich als Turnlehrer am Realgymnasium in unserem Verein tätig war und sich besonders der Altherrenriege annahm, die in jenem Jahr aus 20 Turnern bestand. Doch war diese Blütezeit bei dem immer schlimmer werdenden Zustand der Turnhalle nur von kurzer Dauer. Ein Neubau war dringend notwendig und wurde dann an der Burgstrasse realisiert.

Und dann brach urplötzlich der 1. Weltkrieg aus. Gerade waren alle Vorbereitungen zum 37. Stiftungsfest getroffen worden. Dieses Fest wurde dann zu einer ernsten Abschiedsfeier am 2. August 1914 im Saale Sander. 40 „voll Begeisterung ins Feld ziehende Turner“ wurden sogleich am nächsten Morgen vom ganzen Verein unter Musikbegleitung mit der Fahne zum Kleinbahnhof geleitet, von wo der Zug sie nach Lingen, in ihren Gestellungsort, bringen sollte. Es war ein Aufsehen erregender Zug, der durch die Straßen Quakenbrücks zog, und zum Abschied riefen die Bürger den Scheidenden „Gut Heil!“ zu. Obwohl immer mehr Mitglieder ins Feld ziehen mussten, konnte während des ganzen Krieges der Turnbetrieb aufrecht erhalten werden. Das war allein dem Turnwart Henry Wulf I zu verdanken, der das Amt übernahm, nachdem zunächst G. Schierbaum, dann W. Grix und schließlich auch Chr. Falcke in den Krieg zogen. Einen Höhepunkt im Vereinsleben bildete am 27. Januar 1915 die Einweihung der neuen Turnhalle an der Burgstrasse, die dem Turnverein zur Verfügung gestellt werden konnte. In ihr entfaltete sich unter der Leitung von Wulf  oft ein gewaltiger Turnbetrieb, zum großen Teil mit Frauen und Zöglingen.

Jahre des Körperkults   (1918 – 1945)

Endlich kam das Ende des fürchterlichen Krieges. 124 Turner hatten als Soldaten an ihm teilgenommen, 25 von ihnen kehrten nicht mehr zurück. Nach dem Kriege folgten harte Zeiten: Der Winter 1918 war gekennzeichnet von geschlagenen Soldaten, die heimkehrten, von Lebensmittelknappheit und Kohlenmangel. Den Quakenbrückern stand nicht gerade der Sinn nach Sport. Die Turnhalle wurde vom Militär belegt. Die Folge aller dieser schwerwiegenden Umstände war, dass der Verein auf 147 Mitglieder zusammenschmolz. Erst in den Jahren 1919/20 kehrte neues Leben in den Verein. Die aus Krieg und Gefangenschaft zurückgekehrten Turner übernahmen wieder freudig ihre alten Ämter und 30 neue Mitglieder konnten begrüßt werden. Doch auch der Sport musste weitergehen. Ein erstes Sportfest am 9. Mai 1920, das vom neu ernannten Sportwart W. Bartels geleitet wurde, erbrachte einen schönen finanziellen Überschuss, mit dem eine Eichenholztafel mit den Namen der Gefallenen angeschafft wurde, die feierlich in der Turnhalle aufgehangen wurde. Am 3./4. Juli 1920 übernahm der Turnverein das Gauturnfest, zu dem 39 Vereine des Gaues erschienen. Dank des großen Entgegenkommens der Bürgerschaft konnten ungefähr 800 Turnerinnen und Turner in der Burgmannstadt untergebracht werden.

Das Jahr 1921 brachte dem Verein unter Leitung der heimgekehrten Turner reichlich Gewinn: die Zahl der Mitglieder vermehrte sich weiter bedeutend und eine Schüler- und Seniorenabteilung, die nachmittags turnte, wurde dem Verein angegliedert. Sportwart Bartels und Frl. Mariechen Twenhöfel leiteten die Abteilung in mustergültiger Weise. Um der sich nun häufenden Aufgaben gerecht werden zu können, wurde die Zahl der Vorstandsmitglieder erhöht. Drei Turnwarte für das Männerturnen und zwei für das Frauenturnen wurden gewählt. Der Quakenbrücker Turnverein stand mit seinen jetzt fast 300 Mitgliedern an erster Stelle des Nordverbandes im Turngau Osnabrück und Studienrat Stromburg wurde zum Vorsitzenden des Turngaues. Finanziell hatte der Verein dagegen arge Sorgen: die fortschreitende Inflation im Deutschen Reich erfasste auch zunehmend die Burgmannstadt.

Da wurde mit Zahlen gerechnet, die einen schwindelig werden ließen: Der Voranschlag für das Jahr 1923 schloss in Einnahmen und Ausgaben mit 142 400 Mark. Wenig später die Abrechnung des Turnfestes vom 17. September 1923: Einnahme 380,65 Millionen Mark, Ausgaben 195,7 Mill. Mark, somit bleibt ein Überschuss in Höhe von 164,87 Mill. Mark. Vier Tage später bekam man dafür gerade noch ein Brot! Aber es kam noch schlimmer: Kurz vor Einführung der Rentenmark am 15. November 1923 gab es einen Kassenstand von 3.727.155.705.048,55 Mark ( 3,7 Billiarden Mark !).

Das Vereinsjahr 1924 brachte viele neue Aktivitäten. Die Frauenabteilung unter der Leitung von G. Mehliß übte Volkstänze und rhythmische Gymnastik und schloss sich so den Fortschritten im Frauenturnen an. Dazu fanden regelmäßig im Winter sogenannte „Tieabende“ statt, zu denen Vorträge, gemeinsame Lieder, musikalische Darbietungen auf der Mandoline und Geige gehörten.

Erfreulichen Zuwachs ergab das Jahr 1925: der „Schwimmverein 1910“ trat dem Turnverein bei und wird seitdem als Schwimmabteilung im Verein geführt. Aus diesem Grund veranstaltete er sogleich ein gauoffenes Schwimmfest. Zu Schwimmwarten wurden Th. Jura und W. Schleich ernannt. Als zweite Neuerung wurde das Säbelfechten eingeführt. Ferner wurde 1926 eine Schülerriege des Realgymnasiums dem Verein angegliedert, die, mehr als 30 Mitglieder groß, unter Mehliß Leitung turnte und besonders das Handballspiel pflegte und darin auch Wett- und Gesellschaftsspiele austrug. Der vielen jungen Mitglieder wurde jetzt endlich Rechnung getragen und das Amt eines Jugendwartes eingeführt.

In den Jahren 1923 bis 1926 konnte viermal nacheinander die Verbandsmeisterschaft im Turnen in Badbergen, Gehrde und Fürstenau errungen werden, wobei 1925 und 1927 Friedrich Bentlage die Einzel-Verbandsmeisterschaft gewinnen konnte.

Mit den Feiern zum 50. Stiftungsfest 1927 erreichte der Turnverein gleichzeitig die Hoch- und Blütezeit im Quakenbrücker Turnwesen des ersten Halbjahrhunderts. Dieser stetige Aufschwung und Leistungsanstieg ist in erster Linie dem damaligen Vorsitzenden Studienrat Fritz Stromburg zu verdanken. In mustergültiger Zusammenarbeit mit Carl Trute, G. Schierbaum, Carl Witte, Friedrich Vahrenkamp, Henry Wulf, Wilhelm und Hermann Ortland, Wilhelm Müller, Friedrich Bentlage oder Heinrich Auf der Heide, um nur einige der Mitarbeiter zu nennen, hatte sich der Verein zu einer angesehenen und maßgebenden Turngemeinschaft im Turngau Osnabrück entwickelt. Umso mehr schmerzte 1929 der plötzliche Tod Stromburgs. Dessen Ideen und Elan führte Carl Trute als Vorsitzender zunächst weiter. Die Weltwirtschaftskrise, ausgehend vom Börsenkrach in New York am 29.10.1929, hatte auch in der Burgmannstadt weitreichende Folgen. Die Zahl der Erwerbslosen stieg stark an. Besonders hart traf die Arbeitslosigkeit die Jugendlichen, weil fast jeder dritte arbeitslos war oder keine Lehrstelle fand. Dieses veranlasste viele Turner aus dem Verein auszutreten. Dem Verein kam in dieser Zeit neue Aufgaben in der Jugendpflege zu. Dem jedoch standen die geringen finanziellen Mittel sowohl des Vereins als auch der Stadt entgegen. Durch diese schwere Zeit führte Carl Trute das Vereinsschiff, bis er 1933 von Bord gehen musste! An seiner Stelle wurde K. Marx zum „Vereinsführer“ ernannt.

Die Turn- und Sportbewegung wurde genau  wie andere gesellschaftliche Bereiche von der umfassenden, aggressiven Unterdrückungs- und Gleichschaltungspolitik der Nazis betroffen. Die Errichtung der nationalsozialistischen Diktatur verlief über die Verordnung „Zum Schutze von Volk und Staat“ vom 28. Februar 1933 nach dem Brand des Reichstages. Der pseudolegale Weg der Gesetzgebung ermächtigte den Reichsinnenminister Frick, in einem Runderlass „Über den Neuaufbau des deutschen Sports“ vom 27. Juni 1933 die Arbeitervereine zu liquidieren und deren Vermögen zu beschlagnahmen. Die jüdischen Sportler wurden seit 1933 durch die Einführung des „Arierparagraphen“ aus den Turnvereinen eliminiert. Die noch verbleibenden Mitglieder hatten sich den politischen Sportverbänden anzuschließen. Der Jugendsport war nur in der Hitler-Jugend oder dem BdM möglich. So blieb es nicht aus, dass die Zahl der Unentwegten und Getreuen im Verein immer geringer wurde. Von 1934 bis 1936 stand Rudolf Lenzner, von 1936 bis 1946 Georg Burke an der Spitze des Quakenbrücker Turnvereins. Nur ihnen ist es zu danken, dass während dieser Zeit bis hinein in die ersten Kriegsjahre des zweiten Weltkriegs der Übungsbetrieb aufrechterhalten werden konnte. Doch nun häuften sich die Schwierigkeiten: Die Turnhalle wurde mehrfach für Kriegszwecke beschlagnahmt und viele Turner wurden zum Wehrdienst einberufen. Ersatzweise turnten die Turnerinnen im Saale Gresbrand. Bis 1943 fanden sich immer noch knapp 20 Turner zu den Übungsstunden ein. Doch auch hier zeichnete sich ein Ende ab. Im März 1943 wurde die letzte erweiterte Vorstandssitzung abgehalten. Das Vereinsleben war zum Stillstand gekommen.

Jahre des Wiederaufbaus  (1945 - 1953)

1945 – Der Krieg war aus.

Schwerste Leiden, Entbehrungen, Hungers- und Besatzungsnöte in den ersten Nachkriegsjahren konnten den Turngeist nicht tot kriegen. Schon bald erwachte das Vereinsleben in Quakenbrück aufs Neue und schon am 29. Januar 1946 trafen sich an die 40 Sportler im einzig freien Lokal, Cafe Brinkmann, um aus dem Quakenbrücker Turnverein und dem Arbeiterturnverein einen neuen Verein unter dem Namen „Quakenbrücker Turn- und Sportverein von 1877“ zu gründen. Hermann Schierbaum wurde einstimmig zum ersten Vorsitzenden gewählt. Die Probleme beim Wiederaufbau des Vereins waren zunächst riesig. Weder Übungsraum noch Turngeräte waren vorhanden, die Turnhalle, der Sportplatz und sämtliche Säle der Stadt waren von den Besatzungstruppen belegt oder gesperrt. So beschränkte sich das turnerische Leben zunächst auf Übungen im Freien, auf Leichtathletik sowie Schwimmen. Die Jugend zog es vermehrt in die Fußballvereine, die diese Probleme nicht hatten und sogar eine Handballabteilung für Frauen einrichteten.  Die Mitgliederzahl wuchs dennoch im Januar 1947 wieder auf 100. Es dauerte noch bis Ende 1947, als die polnische Besatzung endlich abrückte und die Turnhalle wieder benutzt werden konnte. Nun waren es besonders zwei Männer, die den Übungsbetrieb intensiv ankurbelten und denen es zu verdanken war, dass wieder Leben in die Turnhalle kam: Oberturnwart Friedrich Bentlage, seit den zwanziger Jahren ununterbrochen als Vorturner und Oberturnwart im Verein tätig, und sein treuer und unermüdlich wirkender Helfer Männerturnwart Detlef Westphal. Zu der „alten Garde“ stießen viele junge Turnerinnen und Turner. Nur vorübergehend konnte die Währungsreform vom Juni 1948 die glänzende Aufwärtsbewegung der Quakenbrücker Turnbewegung hemmen. Zur Förderung des Frauen- und Kinderturnens wurde die Vereinsturnlehrerin M. Micheiloff angestellt. Das erste Werbeturnfest nach dem Kriege im April 1948 wurde mit einer Beteiligung von über 1000 Personen ein großer ideeller und materieller Erfolg. Alle Sparten des Turn- und Sportwesens arbeiteten wieder innerhalb des Vereins. Es gab Riegen der Altherren, Jugendturner, Knaben, Frauen, Jugendturnerinnen und Mädel. Es bildeten sich eine Leichtathletik-Abteilung, Faust- und Handball gehörten zum Programm des Vereins, auch der Schwimmsport fand trotz unzureichender Möglichkeiten im Freibad gute Resonanz. Verbunden hiermit sind Namen wie Fischer, Waldherr, Leutbecher oder Klußmann.

Da inzwischen der Neuaufbau des Turnwesens auf Kreis- bis Landesebene erfolgt war, hatten die Quakenbrücker Turner wieder Gelegenheit, ihr Können auf den Turnfesten zu demonstrieren. Begünstigt durch Zugänge aus den Ostgebieten bildete sich eine starke Riege, die sich weit über die Grenzen des Turngaus einen Namen machen konnte. Manche Siege konnten Quakenbrücker Turner und Turnerinnen erringen, viele Urkunden mit nach Hause nehmen. Das erste Turnfest Niedersachsens in Verden sah vom Verein 58 Teilnehmer, von denen 28 als Sieger heimkehrten. Neben den alten und bewährten traditionellen jährlichen Veranstaltungen wie Winterfest, Ostereiersuchen, Götzwanderung, Schwimmfeste, Kohlessen, Kameradschaftsabende usw. fanden neue Feste und Einrichtungen Eingang und Anklang in der Bevölkerung: Adventsfeiern, Heim- und Singabende, Sonnenwendfeiern und die Kinderturnfeste, Wanderfahrten, Zeltlager und die Gesundheitsbetreuung. Zu einem Aushängeschild der besonderen Art wurde der 1952 ins Leben gerufene Spielmannszug. Ohne ihn waren Veranstaltungen im QTSV nicht mehr denkbar. Georg Backermann hat sich im Laufe der Zeit als Initiator und Übungsleiter auf dem musischen Gebiet besonders verdient gemacht. Im selben Jahr wurde der Jahn-Sportplatz in neuer Form eingeweiht.

So gerüstet konnte man dem 75-jährigen Jubiläum 1952 ruhig entgegensehen. Dieses Fest wurde im Rahmen des Kreisturnfestes in der Burgmannstadt begangen. Mehr als 2000 Zuschauer sahen die hervorragenden Leistungen der Sportler aus 16 Vereinen. Ganz besonderen Eindruck hinterließ ein selbstgebautes Märchenschiff, das im Dunkeln bei Fackelschein die Hase hinunter fuhr. In diesem Rahmen konnte der damalige Bürgermeister Karl Tepe die Genehmigung für die Turnhallen-Erweiterung an der Burgstrasse vorlegen. Am 18. Oktober 1953 wurde der Bau der Öffentlichkeit übergeben.

Im selben Jahr fand der letzte Höhepunkt im Männerturnen des QTSV statt: Harry Bräuer konnte den Sieg im Zwölfkampf beim Kreisturnfest 1953 in Nortrup erringen. Aufgrund der schwachen wirtschaftlichen Struktur der Stadt waren viele junge Menschen gezwungen, an anderen Orten neue Verdienstmöglichkeiten zu suchen, womit das Männerturnen stark zurück ging. Viel junge Talente gingen dem Verein verloren und das echte Leistungsturnen schlief Anfang der 60er Jahre völlig ein. Dafür begann man neue Übungsformen und Sportarten aufzubauen. Breitensport, wo weder Rekorde noch Spitzenleistungen gefragt waren, sondern vielmehr das zwanglose Spielen, leichtes Turnen und geselliges Beisammensein, löste das Leistungsturnen ab.

Ab 1954 konnten aufgrund der Verbesserung der Halle größere Veranstaltungen durchgeführt werden. Hierzu zählten der Turnvergleichskampf Osnabrück gegen Bremen im März 1954. Großes Lob wurde dem Verein für die Organisation und für die Halle ausgesprochen.

Im Gegensatz zum Männerturnen fand das Geräteturnen der Frauen weiterhin auf hohem Niveau statt. In den Siegerlisten fanden sich Namen wie Marianne Bramlage, Ingrid Pieske, Herta Fiebig, Lore Bentlage oder Heide Hanenkamp. Doch auch hier blieb die negative Entwicklung nicht aus. Am Ende blieb nur das Jugend- und Kinderturnen übrig, wobei die Jugendlichen ihren erwachsenen Vorbildern nacheifern wollten. So gelang der Jugendgruppe des QTSV beim Deutschen Turnfest in Hamburg 1953 mit dem 52. Platz unter 246 Gruppen ein beachtenswerter Erfolg. In den kommenden Jahren war es dann Gretel Kempa, die mit viel Schaffensfreude und großem Engagement dem Kinderturnen ihren Stempel aufdrückte. Vielerorts war man aber inzwischen zu der Erkenntnis gekommen, dass echte Leistungen im Turnsport nur mit entsprechendem Training in frühester Kindheit möglich seien. Dieses übernahm zunächst die Sportlehrerin Erna Laubenstein. Erste Erfolge stellten sich ein und wurden unter Sportlehrerin Christine Liese intensiviert. Eine echte Leistungsriege der Mädchen wurde geschaffen.

Jahre der Festigung  (1953 – 1977)

Bei den Jungen war dagegen das Interesse weitaus geringer. Ballsportarten wie Basketball, Handball oder Fußball sind bei den Jungen inzwischen beliebter als das Turnen an Geräten. Diesem Umstand trug der QTSV Rechnung und nahm im September 1956 eine Interessengemeinschaft Basketball, die sich am Artland-Gymnasium gebildet hatte, als neue Basketball-Abteilung in den Verein auf. Der große Initiator dieser Bewegung hieß Wilhelm Hoffmann, der Quakenbrück auf den Weg zur Basketball-Hochburg im Regierungsbezirk bringen sollte. In Freundschaftsspielen gegen recht starke Gegner holte man sich das Rüstzeug, um ab 1958 in der Stadtliga Osnabrück erstmals um Punkte spielen zu können. In den folgenden Jahren wurden meist vordere Tabellenplätze belegt, bis 1962 erstmals der Aufstieg in die Bezirksliga gelang. In den Jahren 1963 bis 1966 wurde die Basketballabteilung zu einer der aufstrebendsten des Vereins. Der Herrenmannschaft gelang der Aufstieg in die Landesliga, der damals höchsten Klasse in Niedersachsen. Daneben wuchsen starke Jugendmannschaften heran und seit 1966 wird auch Damen- und Mädchenbasketball gespielt .

Aus einer dieser Jugendmannschaften erwuchs Günter Kollmann, der es bis zum Junioren-Nationalspieler brachte und seit jenen Tagen als Motor der Abteilung gilt. Er brachte es als Mannschaftsführer und Trainer der A-Jugend mit seiner Truppe bis zum Norddeutschen Vizemeister. Im Jahre 1968 wurde die Schulmannschaft des Artland-Gymnasiums, die ausschließlich aus Spielern des QTSV bestand, Niedersachsenmeister und erreichte den dritten Platz bei den Deutschen Meisterschaften. Die Herrenmannschaft wurde bei einer Ligen-Neuordnung der Verbandsliga West zugeordnet und schaffte 1972 den Aufstieg in die Oberliga. Im zweiten Jahr sicherte man sich die Niedersachsenmeisterschaft, um dann im Aufstiegsturnier gegen Berlin klar zu gewinnen und damit den Aufstieg in die Regionalliga Nord zu schaffen. Verstärkt durch den Amerikaner John Anderson starteten die QTSVler in die Regionalliga-Saison und wurden für ihre tollen Mannschaftsleistungen mit dem dritten Platz belohnt. Ein Traum wurde wahr: Der Aufstieg in die 2. Bundesliga war geschafft.

Der Drang zum Ballspiel äußerte sich weiterhin in den Gründungen einer Prellball-, Faustball- und Volleyballabteilung.  Im Faustball konnte 1958 die Bezirksmeisterschaft in der Männerklasse errungen werden, der im Jahr darauf wiederholt werden konnte. Dennoch blieb der Nachwuchs aus, sodass diese Abteilung nur bis Mitte der 60er Jahre bestand hatte. Dafür rückte ein Spiel in den Vordergrund, dass bis heute im Verein seinen Platz hat: das Prellballspiel. Das alljährlich stattfindende Prellballturnier konnte Dank der unermüdlichen Arbeit des Prellballwarts Egon Meyenburg einen großen Beliebtheitsgrad erreichen. Beim Turnier im Oktober 1976 traten über 20 Mannschaften an, die aus dem gesamten norddeutschen Raum kamen.

Gleich nach dem Kriege kam unter der Leitung von Friedrich Fischer eine erste Handballmannschaft zustande, die aber bald wieder von der Bildfläche verschwand, da es die besten Spieler in andere Orte zog. Bis 1970 sollte es dauern, ehe eine neue Abteilung sich dem Handballsport widmete.

Die schon seit 1925 zum QTSV gehörende Schwimmabteilung blühte nach dem Kriege auf, als im Mai 1951 das städtische Freibad renoviert und modernisiert wurde. Im gleichen Jahr wurde Karl Kläden Vereins- und Kreis-Schwimmwart. Mit ihm hatte man einen Mann gefunden, der durch Fachkenntnis und resolute Initiative dem Schwimmen zu neuem Durchbruch verhalf. Der weitere Werdegang der Schwimmabteilung ist im Bericht der Schwimmabteilung dargestellt.

Nach Kriegsende wurde auch die Leichtathletik im QTSV in einer eigenen Abteilung intensiv betrieben und überraschte bald durch ganz neue Er­folge. Unter Leitung des Fachwartes Fritz Matziwitzky (selbst hervor­ragender Langstreckenläufer) wurde diese Abteilung auf- und ausgebaut und bereits 1949 konnten erste Meisterschaften und Vergleichskämpfe bestritten werden. So kamen bei den ersten Kreismeisterschaften 1950 in Bramsche Bärbel Kristen und Karl Müller (,,Pongo") zu Meisterehren. Wie erfolgreich die Leichtathleten damals waren, ist aus dem Bericht in der Jahreshauptver­sammlung 1951 ersichtlich: „Bei den Kreismeisterschaften gab es für uns 12 erste, 17 zweite und 9 dritte Plätze. Die weibliche Jugend holte dabei alle Titel der für sie ausgeschriebenen Disziplinen! Auf Bezirksebene wurden 2 erste, 6 zweite und 4 dritte Ränge errungen.“

Nachdem im Oktober der Erweiterungsbau der Turnhalle vollendet war, wurde am 31. Januar 1954 das 1. Hallensportfest in Quakenbrück durch­geführt. Es war dies ein sportliches Ereignis ersten Ranges, zumal es gelungen war, eine Anzahl deutscher Meister dafür zu gewinnen. Ins­gesamt gingen 120 Aktive an den Start und lockten über 500 Zuschauer in die Halle! Im Januar 1956 kam auch der frühere Olympiasieger im Hammerwer­fen, Karl Hein, hinzu. (Selbstverständlich wurden diese Wettbewerbe auf dem Sportplatz am Deich ausgetragen.) 1959 kamen erstmalig drei holländische Abordnungen hinzu, ferner Teil­nehmer aus Münster, Greven, Koblenz und Kiel, insgesamt über 200 Aktive nahmen teil!

Aber auch unsere Athleten waren nicht müßig und zeigten, dass sie im Kreis und Bezirk mit zu den stärksten Abteilungen zählten. Mitte der Fünf­ziger Jahre waren es ganz besonders drei Sportler die oft zu Meisterehren kamen und den QTSV lange erfolgreich vertreten haben, die Sportkameraden Günther Geringhoff, Ernst Rathert und Heinz Rump.

1959 wurde der neue Sportplatz an der Jahnstrasse in Betrieb genommen. Ab 1960 führte dann Klaus Wucherer die Abteilung, der 1965 in Helmut Bauer seinen Nachfolger fand. Beiden Fachwarten war es zu danken, dass in diesen Jahren fast die Hälfte aller Kreis-Titel in die Burgmannstadt ent­führt wurden.

Leider konnte der erforderliche Nachwuchs nicht in dem gewünschten Maße herangebildet werden, da, ähnlich dem Turnen, das gesteigerte Interesse dem Basketball galt. Dazu kam, dass im Jahre 1969 der Bersenbrücker Leichtathletikkreis gegründet wurde. Damit wurden dem Verein die besten Athleten entzogen. So verblieben in dieser Sportart nur noch ,,Reste" in unseren Mauern. Unter Jürgen Fischer und später Ulrich Wille konnte einige wenige dieser Sportart erhalten bleiben und langsam zunächst dem Triathlon und ab 1988 der Abteilung Volkslauf/Lauftreff zugeführt werden.

Im Jahre 1977 konnte der Verein sein 100 jähriges Bestehen feiern. Ein ganzes Jahr lang fanden Jubiläumsaktivitäten der Abteilungen statt. Herauszuheben war unter den zahlreichen Veranstaltungen sicherlich der Festkommers am 23. April 1977. Unter dem Motto des Vorsitzenden Rolf Leutbecher: “Eine gesunde Tradition ist eine gute Basis für fortschrittliches Handeln“ zeigte die Turnerschaft ihr ganzes Können an diesem Abend. Dass fortschrittliches Handeln nicht immer in die Tat umgesetzt werden kann und häufig nur ein frommer Wunsch bleibt, zeigt ein Ausschnitt aus dem Grußwort des damaligen Bürgermeisters Horst Magnus:

„...wäre eine dankbare Aufgabe für die nächsten Jahre, den Versuch zu unternehmen, alle sporttreibenden Vereine unter einer Leitung zusammenzufassen, jeweils mit der selbständigen Untergruppe Abteilung Leichtathletik, Turnen, Schwimmen, Basketball, Fußball, Handball, Wassersport, Tennis usw...“

JAHRE der Vielfalt (seit 1977)

Noch sind wir nicht soweit, „alle sporttreibenden Vereine unter einer Leitung zusammenzufassen“. Es gibt eher Bestrebungen, in Zeiten der weiter wachsenden Kluft zwischen Kommerzialisierung und Breitensport für alle den entgegengesetzten Weg einzuschlagen und neue Vereine zu gründen. Der QTSV hat sich immer dagegen gewehrt und wird es auch in Zukunft tun. Im Verein hat sich eine so große und reiche Vielfalt an Sportarten zusammengefunden, dass diese große Gemeinschaft unbedingt erhalten bleiben sollte, auch wenn es immer schwerer wird, einen solchen Riesenapparat zu steuern. 1982 wurde erstmals die 1000-Mitglieder-Grenze gesprengt. Dennoch lebt der Verein und das zeigen die vielen Aktivitäten und Begebenheiten, die außerhalb der Abteilungen stattfanden und stattfinden. Dem Vorstand des QTSV war es schon immer ein Anliegen besondere sportliche Leistungen der Einzelsportler und Mannschaften, auch im Breitensportbereich zu würdigen. Im Rahmen des jährlich stattfindenden Nikolausturnens werden diese Sportlerinnen und Sportler geehrt. Zusätzlich finden jährlich Sportlerehrungen der Stadt und Meisterehrungen des Landkreises durch den Landrat für Sportler des QTSV statt. Das Ablegen des Sportabzeichens hat sich nicht nur über viele Jahre gehalten, es hat sich etabliert und findet immer regen Zuspruch, insbesondere auch bei den Jugendlichen. Dass der QTSV sich auch am Kultur- und Sportaustausch mit der Partnergemeinde Alencon beteiligt, braucht nicht unerwähnt bleiben.

Eine Erbschaft im Herbst 1988 ermöglichte es dem Verein, die schon recht marode gewordene Vereinsfahne 1991 sehr aufwendig zu restaurieren. Wie so viele Vereine sah sich auch der QTSV aufgrund steigender Mitgliedszahlen und Schriftverkehr gezwungen, ab 1992 seine Daten elektronisch zu erfassen und zu verarbeiten. Zusätzlich konnte im Jahre 2000 eine hauptamtliche Geschäftsstellenmitarbeiterin eingestellt werden.

In der Folge agieren die Abteilungen immer selbständiger und der Verein versucht der Aufgabe gerecht zu werden, den Zusammenhalt zu organisieren. Aus diesem Grunde endet an dieser Stelle der Versuch, ein wenig die geschichtlichen Hintergründe dieses „alten“ jungen Vereins zu beleuchten. Über die letzten 25 Jahre berichten die Abteilungen selbst.